Reisekolumne #12 – Hallo Griechenland, wie geht´s?

Griechenland erholt sich, sagt man. Bald sind Wahlen, das hat den Vorteil, dass die Regierenden Bonbons verteilen. Sie erlassen die Strafen auf Steuerschulden, wenn man sie sofort bezahlt oder sich verpflichtet, auf lange Zeit in kleinen Beträgen die Schulden abstottert. Ob das Tsipras und seiner Partei nutzen wird? Die Wahlprognosen sehen die Nea Demokratia an der Spitze.

In Karpathos hat man die Krise nie so richtig gemerkt. Die Preise zogen an und jeder jammerte über die Sozialkürzungen und Steuererhöhungen. Bei den Sozialleistungen konnte ich es noch verstehen, bei den Steuererhöhungen? 50% mehr von Nix ist Nix. Also, was soll`s, jeder musste auch lachen, wenn ich es äusserte.

Apropos Krise, die gibt es dieses Jahr tatsächlich in Karpathos. Es landen deutlich weniger Charterflieger, als letztes Jahr. Das merkt man, der Mai war touristisch eine Katastrophe für Afiartis. Trotzdem, die griechische Seele lässt sich davon nicht sonderlich beeindrucken. Sie nehmen es gelassen und hoffen auf den Herbst. Hoffen ist bei Griechen eine jahrhunderte alte Tradition.

Allerdings sind die Handwerker wieder gut beschäftigt und wie es aussieht, auf längere Zeit. Es findet momentan regelrecht ein Run auf Baugrundstücke statt. Auf dem Weg zum Poseidon Restaurant entstand eine neue luxuriöse Appartmentanlage mit eigenen Pools. Und überall wachsen neue, private Ferienhäuschen aus dem Boden.

Nicos, mein Schreiner brachte mir letzte Woche das Hängeschränkchen, das ich vor Weihnachten bei ihm bestellte. Er versprach damals hoch und heilig, nach Weihnachten sei es fertig. Es sagte mal wieder nicht, wann genau nach Weihnachten und nach welchen Weihnachten. Immerhin entschuldigte er sich mit ein paar Kilo Orangen aus seinem Garten.

Der regenreiche Winter hatte der Insel soviel Wasser beschert, wie noch nie, als wollten die Wettergötter sagen: Den von der EU mit 3,5 Millionen finanzierten Staudamm hättet ihr Euch sparen können. Die EU hat´s. Auf der kleinen asphaltierten Strasse vom Flughafen zum Luvspot habe ich 78 Verkehrsschilder gezählt. Für das Geld könnte man sich fast ein Haus davon bauen. Schade, dass die EU nicht weiss, dass die Griechen eigentlich keine Verkehrsschilder brauchen und die dort aufstellen, wo sie am wenigsten stören.

 

 

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Kurt Menth brachte 1990 das Windsurfen nach Afiartis. 2014 den Kitesport nach Karpathos.
Bei Windsurfern ist er noch bekannt aus seiner aktiven Zeit vor Ort. Heute ist er Herausgeber der CSNetwork und NETtoSUN Webseite, mit exklusiven Reisevorschlägen und aktuellen Informationen.

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